11.05.2011

Vermittlung in Arbeit verbessern

Gut besuchte Fachtagung im Landratsamt

KREIS GROSS-GERAU – „Erfolgreiche Vermittlung in Arbeit – brauchen dafür Frauen mehr als Männer?“ Dieser Titel für eine Fachtagung sei schon etwas provozierend, bekannte Erster Kreisbeigeordneter Walter Astheimer. Aber das habe auch seinen guten Grund: „Schließlich ist es hinreichend bekannt, dass Frauen besonders gute Ausbildungs- und Qualifikationsabschlüsse machen. Es ist aber gleichermaßen bekannt, dass sie deshalb keineswegs schneller und erfolgreicher als Männer in Arbeit und Beruf vermittelt werden können – geschweige denn dort ihren Qualifikationen entsprechend bezahlt werden!“

Über Wege und Möglichkeiten zur Verbesserung dieser Situation diskutierten im Groß- Gerauer Landratsamt über einhundert Fachleute aus ganz Hessen. Dabei waren die bundesweiten Rahmenbedingungen ebenso Thema wie die Erkenntnisse aus dem Bundesnetzwerk für Alleinerziehende, insbesondere standen aber die Bedingungen in Flächenlandkreisen im Fokus. Denn anders als etwa in Großstädten gibt es hier ganz spezifische Notwendigkeiten der Kooperation, wie Ulrike Cramer, als Leiterin der Fachbereiche Jugend und Schule sowie Soziale Sicherung des Kreises Groß-Gerau gleichzeitig Moderatorin des Nachmittags, betonte.  

Sie war es denn auch, die vorstellte, wie ein solches Kooperationsprojekt praktisch funktionieren kann. Mit dem Netzwerk MIKA („Mit Kind in Arbeit“) will man im Kreis Groß-Gerau mit einer verlässlicheren Kinderbetreuung vor allem für Frauen und Mütter eine bessere Vermittlung in Arbeit ermöglichen. Besonders eine gute Kooperation zwischen dem Kreis und den Städten und Gemeinden als Trägern der Kinderbetreuung ist hier gefragt. Und darüber hinaus sollen die Kooperationsprozesse zwischen Jugendamt und Jobcentern verbessert werden. Als Anlaufstellen für Informationen stehen auch die drei Tagespflege-Regionalbüros im Kreis zur Verfügung.

Im Kreis Offenbach haben alleinerziehende Mütter die Möglichkeit, sich in zehnwöchigen Maßnahmen beruflich zu orientieren und gleichzeitig die dazu passende dauerhafte Kinderbetreuung zu suchen. Das bereits seit einigen Jahren erfolgreiche Mo- dell wurde von Andreas Zmuda von „Pro Arbeit Kreis Offenbach“ vorgestellt, der dort für die Betreuung von Langzeitarbeitslosen zuständigen Einrichtung.

Auch übergreifende Aspekte kamen nicht zu kurz. So berichtete Susan Geideck (Fachhochschule Frankfurt) über Erkenntnisse und Erfahrungen beim Aufbau von Netzwerken, die sich aus der Zusammenarbeit im Bundesnetzwerk für Alleinerziehende ergeben haben. Professor Dr. Uta Maier-Gräwe (Universität Gießen) schließlich war es vorbehalten, die bundesweiten Rahmenbedingungen zu skizzieren: eine Aufgabe, für die sie als Mitautorin des ersten Gleichstellungsberichts des Bundes die besten Voraussetzungen mitbrachte. Ihre gleichermaßen überraschende wie schockierende Erkenntnis: Zwar steigt der Anteil der Frauen an der Erwerbsbevölkerung leicht an. Aber das zeitliche Volumen bezahlter Frauenarbeit ist in den letzen Jahren sogar zurück gegangen: Flexiblere Arbeitsverhältnisse haben sich absolut negativ auf die Erwerbschancen von Frauen ausgewirkt. Im europäischen Vergleich ist Deutschland damit mittlerweile im unteren Bereich angelangt: Weil weiterhin Ganztagsangebote fehlen, aber auch, weil die Arbeit zum Beispiel in wichtigen Feldern wie Erziehung und Pflege nicht angemessen und existenzsichernd bezahlt wird.

Walter Astheimer erinnerte abschließend daran, dass es über acht Jahre gedauert habe, bevor die im Grundgesetz verankerte Gleichheit von Frau und Mann 1957 endlich auch in die gesetzliche Praxis umgesetzt worden sei. Einiges sei freilich immer noch ungelöst, so wie eben auch die Umsetzung der beruflichen Gleichstellung: „Daran wollen wir weiter arbeiten, und dabei wünsche ich uns allen viel Erfolg!“ Alle Vorträge der Fachtagung können im Wortlaut auf dem Familienportal des Kreises unter www.kreis-gross-gerau.de eingesehen werden.