07.12.2020

Auf dem Weg in die Zukunft

KREIS GROSS-GERAU – Als wichtigen Pfeiler der sozialen Daseinsfürsorge in den Regionen und als Innovationstreiber in der öffentlichen Verwaltung sehen sich die Kommunalen Jobcenter in Hessen. In einem Zukunftspapier haben sie die Eckpunkte ihres Selbstverständnisses und acht zentrale strategische Ansätze für die Weiterentwicklung ihrer Arbeit dargestellt. In einer Sondersitzung im Format einer Videokonferenz hat der Gemeinsame Ausschuss der hessischen Kommunalen Jobcenter, des Hessischen Landkreistages und des Hessischen Städtetages das Strategische Leitbild 2030 jetzt verabschiedet.

Die Leistungen nach dem SGB II werden bundesweit, je nach Wohnort, entweder von Kommunalen Jobcentern in alleiniger kommunaler Verantwortung oder von gemeinsamen Einrichtungen zusammen mit der Agentur für Arbeit erbracht. Verantwortliche aus der hessischen Politik und Verwaltung waren bei der Einführung des SGB II im Jahr 2005 Vorreiter in dem Bestreben, die kommunale Eigenverantwortung bei der Umsetzung des SGB II in den Vordergrund zu stellen, indem die Kommunalen Jobcenter als Alternative zu den gemeinsamen Einrichtungen etabliert wurden.

Walter Astheimer, Erster Kreisbeigeordneter des Kreises Groß-Gerau, sieht die Vorteile des kommunalen Ansatzes in den Erfahrungen seit der Neuaufstellung des Jobcenters Kreis Groß-Gerau 2012 bestätigt. Ob in der Umsetzung einer Kommunalen Beschäftigungsstrategie, einer rechtskreisübergreifenden Fachstelle für Neuzugewanderte, im Einsatz integrierter kommunaler Leistungsangebote oder in der strategischen Ausrichtung zunehmend sozialräumlich konzipierter Projekte: „Immer gilt es, die Ressourcen des Kreises innerhalb des unmittelbaren Lebensraums der Bürgerinnen und Bürger für eine bestmögliche Daseinsfürsorge mit den größtmöglichen Synergieeffekten zu nutzen.“  

Die Arbeitsgemeinschaft der Kommunalen Jobcenter in Hessen hat strategische Ansätze formuliert, mit denen die Herausforderungen der Zukunft bewältigt werden können. Dazu gehört die weitere Digitalisierung ihrer Dienstleistungen ebenso wie eine Offensive zur Personalsicherung und Personalentwicklung. Dabei bekennen sie sich zu einer Politik von Offenheit und Transparenz und einem Dialog mit der Öffentlichkeit, der auch kritische Punkte nicht auslässt. Sie fordern zugleich für die engagierte Arbeit ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Wertschätzung und weiterhin Rückendeckung durch die Politik in den Kommunen, auf Landes- und Bundesebene.  

Robert Hoffmann, Vorstand des Kommunalen Jobcenters Kreis Groß-Gerau, nimmt das Zukunftspapier zum Anlass, zu einigen benannten Eckpfeilern den Status quo im eigenen Haus zu skizzieren. Das Kommunale Jobcenter habe mit der Einrichtung eines Digitalisierungsbeauftragten im Herbst 2019 entschieden, der Bedeutung digitalisierter Lösungen grundlegend Rechnung zu tragen und diese, eingebettet in eine Digitalisierungsstrategie, umzusetzen, so Hoffmann.   Diese umfasst den Ausbau digitaler Serviceleistungen, die neben bereits bestehenden Angeboten mit der geplanten Neuaufstellung der Homepage weitere Informationsangebote wie z.B. „Erklärvideos“, einen „Chatbot“ oder die verschlüsselte E-Mail-Kommunikation zwischen Kunden und Jobcenter ermöglicht. Sie erstreckt sich aber weitergehend auch auf den Einsatz von Video-Tools in der Beratung und Arbeitsvermittlung – eine nicht nur in pandemiegeprägten Zeiten wichtige weitere Kommunikationsmöglichkeit. Bei allem gelte es, „Digitalisierung nicht als Selbstzweck zu verstehen, sondern als Chance, Prozesse kundenorientierter und schlanker zu organisieren“, sagt Robert Hoffmann.

Von zentraler Bedeutung sei dabei auch der Ausbau digitaler Kompetenzen bei Kundinnen und Kunden sowie den Mitarbeitenden des Jobcenters, die es auf diesem Weg „konstruktiv mitzunehmen“ gelte. Daher wird das Groß-Gerauer Jobcenter bei künftigen Maßnahmen-Ausschreibungen entsprechende Bestandteile aufnehmen. Zudem werden den Mitarbeitenden neun zu „Digitalisierungslotsen“ geschulte Kolleginnen und Kollegen zur Seite gestellt, die die Veränderungsprozesse unterstützend begleiteten.  

Bei aller Digitalisierung sieht Hoffmann als bedeutende Ressource einer zukunftssicheren Aufgabenerfüllung die Kompetenz der Mitarbeitenden. „Und hier gelten für uns die gleichen Maßgaben wie für alle Arbeitgeber, die sich im Wettbewerb um gute Fachkräfte positionieren müssen. Wer auf fachlich versierte Mitarbeitende und einen tragfähigen, beständigen Personalkörper zugreifen möchte, muss in Nachwuchs, Weiterbildung und Mitarbeiterbindung investieren“, sagt Robert Hoffman. So würden im Kommunalen Jobcenter Kreis Groß-Gerau bereits seit 2013 im Rahmen der dualen Studiengänge „BASS“- (Bachelor of Arts – Soziale Sicherung, Inklusion, Verwaltung) und „BAAV“ (Bachelor of Arts – Public Administration) „die Mitarbeitenden von morgen“ im eigenen Haus ausgebildet; aktuell sind dies 13 Studierende.

Somit kann das Jobcenter auf Nachwuchskräfte bauen, die passgenau für ihre künftige Aufgabe eingearbeitet sind. Den Absolvent*innen eröffnet sich eine gute Übernahmeoption - bislang sei nach Abschluss des Studiums immer ein Vertrag angeboten worden. Ebenso unterstützt das Kommunale Jobcenter berufsbegleitende Weiterbildungen, z.B. zum Verwaltungsbetriebswirt, und bietez den Mitarbeitenden über themenspezifische Inhouse-Schulungen und Angebote des Kreises diverse Möglichkeiten der Fortbildung.  

Mit dem kontinuierlichen Ausbau der Homeoffice-Angebote (derzeit verfügen mehr als 60 Prozent der Bediensteten des Kommunalen Jobcenters Kreis Groß-Gerau über diese Möglichkeit) sei ein wichtiger Pfeiler für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gesetzt. Dies trage ebenso zu einer Mitarbeiterbindung bei wie flexible Arbeitszeiten und ein aktives Gesundheitsmanagement mit vielen Angeboten.  

Nicht zuletzt bei der Erarbeitung innovativer Produkte und Lösungen im Zuge einer „agilen“ Verwaltung spiele das Kommunale Jobcenter Kreis Groß-Gerau in vorderer Reihe mit, resümiert Robert Hoffmann angesichts dieser, ebenfalls im Zukunftspapier benannte Strategie. Groß-Gerau sei als eines von sechs Pilot-Jobcentern mit dem Online-Antrag an den Start gegangen und wirke an der digitalen Weiterentwicklung einer optimierten Schnittstellen-Anbindung an die spezifischen Fachanwendungen mit. Damit setzt das Kommunale Jobcenter Kreis Groß-Gerau bereits einige Strategien des Zukunftspapiers um und nutzt die Stärken einer engen Anbindung des Grundsicherungsträgers mit den Wirtschaftsunternehmen der Region, den Bildungseinrichtungen und sozialen Trägern des Kreises – all dies im Dienst für die Leistungsempfänger*innen.  

Die Kommunalen Jobcenter wollen die soziale Landschaft vor Ort auch in Zukunft entscheidend mitgestalten. Auf diesem Weg sehen sie sich als innovative Partner mit dem Anspruch #Stark.Sozial.VorOrt. Das Zukunftspapier „Die hessischen Kommunalen Jobcenter auf dem Weg in die Zukunft“ steht im Internet unter www.kjc-hessen.de/presse/ zum Download zur Verfügung.